China. Der Einfluss einer Weltmacht neuer Art

Chinas Entwicklung während der vergangenen Jahrzehnte ist mehr als eindrucksvoll: Noch Mitte der 80er-Jahre war die chinesische Wirtschaft noch nicht einmal halb
so groß wie die westdeutsche. Mittlerweile übertrifft das chinesische Bruttoinlandsprodukt nicht nur die gesamtdeutsche Wirtschaftsleistung um mehr als das Dreifache und ist hiermit auch nicht mehr weit vom US-amerika­nischen Wirtschaftsvolumen entfernt. Berücksichtigt man die Kaufkraftparität, so erreicht der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft bereits denjenigen der USA. 
Dennoch bleibt China in vielerlei Hinsicht weiterhin ein Entwicklungsland

Bedeutungswandel

Teilt man etwa das Bruttoinlandsprodukt durch die riesige Gesamtbevölkerung, so erscheint China nicht mehr an der Spitze der weltweiten Wirtschaftsmächte. Weit hiervon entfernt, bewegt sich die Volksrepublik in den entsprechenden globalen Rankings des Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank ungefähr zwischen dem 70. und dem 80. Platz. Sie steht damit in der Nähe von Ländern wie Brasilien, der Dominikanischen Republik oder Serbien. Ferner hat das Land mit Strukturproblemen wie etwa ländlicher Armut zu kämpfen, welche in dieser Form unter den etablierten Industriemächten kein Pendant haben.

All dies schmälert jedoch kaum den internationalen Bedeutungsgewinn Chinas. Schon seine Bevölkerung von etwa 1,3 Milliarden Menschen verleiht China ein globales Gewicht, welches mit demjenigen anderer Schwellenländer nicht vergleichbar ist. Nach einem Wirtschaftswachstum von 3000 Prozent innerhalb von nur 30 Jahren wird China gern als »Weltmacht« bezeichnet, und in der Tat hat das Land einen beträchtlichen globalen Einfluss erreicht. China ist zu einem der wichtigsten Handelspartner verschiedenster Staaten zwischen Lateinamerika und Südostasien geworden.

Potenziale internationaler Neugestaltung

Aus wirtschaftlicher Hebelkraft geht selbstredend auch politischer Einfluss hervor, und diesen beginnt die Volksrepublik auch immer konsequenter umzusetzen. Die deutschen Schlüsselindus­trien sind stark abhängig von den Gewinnen im chinesischen Markt. Etwa versucht die chinesische Regierung, die Konturen von Weltwirtschaft und Weltpolitik stärker zu prägen, als dies noch vor einer Generation überhaupt denkbar gewesen wäre. So deckt sich Xi Jinpings Schlagwort einer »Neuen Seidenstraße« schon seit einiger Zeit nicht mehr mit den geografischen Räumen der historischen Seidenstraße. Der Begriff steht immer mehr für Investitions- und Infrastrukturprojekte – von Eisenbahnbauten bis hin zum Ausbau von Hafenanlagen – auf nahezu allen Kontinenten. Ganz offen strebt China eine neue Welthandelsordnung an, welche China mindestens als zweites globales Zentrum neben den Vereinigten Staaten positionieren würde. Viele der institutionellen Neugründungen wie die 2014 geschaffene Asiatische Infrastrukturinvestmentbank lassen sich als Versuche deuten, Alternativen zu den unter westlicher Dominanz geschaffenen globalen Institutionen wie etwa der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds aus der Taufe zu heben. In gewisser Hinsicht hiermit verbunden, setzt die chinesische Regierung immer deutlicher zu dem Versuch an, eigenen Industrienormen und anderen Standards globale Geltung zu verleihen.

Zum ersten Mal seit den 70er-Jahren, als die Sowjetunion noch bedeutende internationale Handlungsmöglichkeiten hatte, verfügt ein Staat außerhalb des Westens nun über eine ernsthafte globale Geltung. In vielerlei Hinsicht reicht das chinesische Gewicht auch weit über den geografischen Machtrahmen der UdSSR hinaus. Letztere vertrat schließlich ein vom Westen radikal abweichendes wirtschaftliches System, was ihre direkten Einflussmöglichkeiten in den Staaten des Westens und seiner wirtschaftlich und politisch Verbündeten deutlich beschränkte. Im Gegensatz zum sowjetischen Modell hat sich die Kommunistische Partei Chinas schon unter Deng Xiaoping (gestorben 1997) weitgehend vom revolutionären Ethos ihrer eigenen Vergangenheit entfernt und machte die aktive Einbindung Chinas in die globale Marktwirtschaft zu einem ihrer Leitprinzipien.

Als Folge der wirtschaftlichen Öffnung Chinas und seines immensen Bedeutungsgewinns bestehen nun für viele Länder der Erde bedeutende Dependenzen vom chinesischen Markt. Dies gilt auch für Deutschland: Insbesondere die deutschen Schlüsselindustrien wie etwa der Automobilbau sind mittlerweile stark abhängig von den Gewinnen, welche der chinesische Markt für sie abwirft. Würde dieser wegfallen oder auch nur ernsthaft einbrechen, wären sie in ihrer globalen Existenz bedroht. Wenn man die Spannungen mit den USA unter Trump oder auch die Krisen innerhalb der Europäischen Union mit ins Blickfeld nimmt, werden die enger gewordenen politischen (nicht nur wirtschaftspolitischen!) Spielräume offensichtlich.

Ungewohnte Beziehungen

Auch dies ist in vielerlei Hinsicht ein historisches Novum: Zu keiner Zeit war die deutsche Wirtschaft so eng mit einem einzelnen Staat außerhalb des Westens verflochten wie heutzutage mit der chinesischen. Und zumindest seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich für westdeutsche und später gesamtdeutsche Regierungen nie die zwingende Notwendigkeit ergeben, auf breiter Basis mit einem so anderen politischen System zu kooperieren wie heute mit der Volksrepublik China. Freilich waren die politischen Kontakte in der Geschichte der Bundesrepublik mitnichten auf liberale Demokratien beschränkt. Und dennoch war man es lange gewohnt, mit anderen politischen System aus einem fest gefügten westlichen Rahmen heraus zu interagieren. Dies implizierte zumeist ein deutliches Machtgefälle zugunsten des Westens.

Diese Situation ist heute nicht mehr gegeben: Die europäischen und nordatlantischen Fundamente der deutschen Außenwirtschaft und Außenpolitik haben an Stabilität und damit an Tragfähigkeit verloren. Verglichen mit den 90er-Jahren ist Deutschlands politisches Gesamtumfeld heute weniger von transnationalen politischen Strukturen geprägt. Im Gegensatz zu vielen Hoffnungen jener Zeit spielen nationalpolitische Prinzipien und Denkmuster wieder eine weitaus bedeutendere Rolle. Einem Deutschland, das zwar weiterhin in verschiedene internationale Kontexte fest eingebunden bleibt, aber stärker als zuvor eigenständig agieren muss, steht nun ein neues, nicht nur im politischen Sinne souveränes China gegenüber.

Deutsche Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen können nicht mehr vom gewohnten Fundament einer westlichen Suprematie aus agieren.

Deutsche Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen können somit nicht mehr vom gewohnten Fundament einer westlichen Suprematie aus agieren. Vielmehr wird Deutschland, zumindest in einigen wirtschaftspolitischen Sparten, eher in die Rolle eines Juniorpartners gedrängt. Deutsche Entscheider stehen nun einem China gegenüber, dessen globaler Einfluss teilweise denjenigen Deutschlands bereits weit übersteigt.

Diese Konstellation wird sicherlich die chinesisch-deutschen Interaktionen bis zum Jahre 2030 prägen. Der Kontrast zwischen einem globalen China und einem eher regional einflussreichen Deutschland dürfte sich sogar noch weiter intensivieren. So wird die Exportnation Deutschland stark abhängig vom chinesischen Markt bleiben, und auch die internationale Politik Chinas wird nicht ohne Einfluss auf das Gefüge der Europäischen Union und die Beziehungen zu den USA bleiben. In jedem Falle werden Kontinuitäten oder Richtungswechsel in der chinesischen Innenpolitik Deutschland mehr betreffen, als dies jemals zuvor in der Geschichte der Fall gewesen ist.

Chinesische Ungewissheiten

Die großen Ungewissheiten zur chinesischen Zukunft sind somit auch für Deutschland von unmittelbarer Relevanz. So rührt etwa die Frage »Wie stabil ist China?« mittlerweile auch an unsere eigene Stabilität; dies macht sie so brisant. Schon alleine, um uns die Zukunft Deutschlands und Europas besser vorstellen zu können, müssen wir uns mit der innenpolitischen Lage Chinas beschäftigen. Diese bleibt schwerer einzuordnen als in vielen anderen Fällen. Denn im Grunde handelt es sich bei dem heutigen China um ein gigantisches Experiment – den Versuch, ein Land von beinahe 1,4 Milliarden Menschen auf ein neues, industrialisiertes Niveau zu heben, und dies in einer bislang nie da gewesenen Kombination aus kommunistischer Regierung und marktwirtschaftlicher Öffnung.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ist eine deutlich pluralistischere und – trotz des Parteialltags – auch eine wesentlich dynamischere Welt als die mit dem Kalten Krieg zu Ende gegangenen kommunistischen Systeme in Osteuropa. So ist in den vergangenen Jahrzehnten die Parteibasis mit ihren 80 Millionen Mitgliedern deutlich pluralisiert worden; beispielsweise erlaubte man kurz nach der Jahrtausendwende auch Unternehmern den Eintritt in die Partei. Die immer noch andauernde Antikorruptionskampagne muss vor allem vor dem Hintergrund der sich vertiefenden innerparteilichen Gräben verstanden werden. Dennoch versucht auch die gegenwärtige Regierung mitnichten, die KPCh wieder auf eine Arbeiter- und Bauernpartei zu trimmen. Zwar setzt die Regierung unter Xi mit überraschendem Nachdruck auf stärkere Zensur und verschärfte Kontrolle von Medien, Wissenschaft und allgemeiner Öffentlichkeit. Doch werden diese Hebel bislang nicht angesetzt, um breitere Facetten des Alltagslebens der Chinesen massiv umzugestalten.

Bei dem heutigen China handelt es sich um ein gigantisches Experiment: den Versuch, ein Land von beinahe 1,4 Milliarden Menschen auf ein neues, industrialisiertes Niveau zu heben, und dies in einer bislang nie da gewesenen Kombination aus kommunistischer Regierung und marktwirtschaftlicher Öffnung.

Während der politische Sektor unter einer unzweideutigen Kontrolle steht, bleibt die chinesische Alltäglichkeit zu einem Grad von individuellen Freiheiten charakterisiert, welcher nicht viele Parallelen in der modernen chinesischen Geschichte hat. Hierzu gehören Reisefreiheiten: Die hohe Zahl der chinesischen Auslandsstudenten, welche schon im Jahre 2014 über die Marke einer halben Million geklettert ist, zeugt hiervon ebenso wie die wachsenden Wellen des chinesischen Auslandstourismus. Im Inland eröffnet ein immer bunteres Stadtleben ungebrochen einen Grad an Selbstbestimmung in Sachen Lebensführung, welcher keine grundlegenden Unterschiede zur westlichen Welt aufweist.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen steht der chinesischen Regierung heute keine Bevölkerung gegenüber, die massiv neue Freiheiten – seien sie persönlicher oder politischer Natur – für sich einfordern möchte. Dennoch gibt es soziale Unzufriedenheit und politischen Unmut, der sich auch immer wieder in die Sichtbarkeit entlädt, und dies in sehr verschiedenen Formen. Hierzu gehören spontane Demonstrationen auf Dörfern gegen neue Baumaßnahmen oder auch Proteste in Städten gegen bürokratische Unzulänglichkeiten. Nicht zu vernachlässigen als Maßeinheit des soziopolitischen Klimas sind auch die sehr eigenen Arten von »Shitstorms«, die in den chinesischen sozialen Medien immer wieder entstehen, nicht selten angefacht von konkreten Skandalen mit politischen Dimensionen.

Krisenherde: Korruption, Umwelt, Urbanisierung

Was sind die Ursachen hinter diesen Krisensymptomen? Dies führt wieder zurück zum Thema des wirtschaftlichen Wachstums und Wohlstands für alle, den sich die chinesische Regierung seit 30 Jahren als Legitimationsgrundlage auf die Fahnen geschrieben hat. Bis vor zehn Jahren wurde dieser Traum eines steigenden gemeinsamen Lebensstandards von allen Schichten geträumt. Mittlerweile differenziert sich die chinesische Gesellschaft jedoch stark aus, und insbesondere die schnell wachsende Zahl von Universitätsabsolventen blickt nicht mehr mit allzu viel Vertrauen auf den chinesischen Arbeitsmarkt. Im Gegensatz hierzu besteht nunmehr eine Jeunesse dorée, die angesichts ihres ererbten Reichtums frei von Existenzsorgen ist.

Derartige soziale Herausforderungen verleihen der allgemeinen Kritik an Korruptionsfällen deutlich mehr Brisanz. Dasselbe gilt auch für die Fülle von Umwelt- und Gesundheitsthemen, welche doch im Zentrum der weiterhin – vor allem im Internet – kritischen Öffentlichkeit Chinas stehen. Die Luft- und Wasserverschmutzung, die mittlerweile weite Teile der chinesischen Bevölkerung betrifft, hat nicht nur mit der massiven Industrialisierung in Niedrigtechnologiesektoren zu tun, sie ist auch eine Begleiterscheinung einer hohen Urbanisierungswelle.

Auch hier betrat China im Wesentlichen historisches Neuland: Während das Land noch vor einer Generation im Wesentlichen eine Agrargesellschaft war, ist der Anteil von Städtern mittlerweile auf nahezu 60 Prozent gestiegen. Nach den Plänen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang muss diese Entwicklung weitergehen, und im Jahre 2025 sollen 70 Prozent aller Chinesen in urbanen Gegenden wohnen. Die rapide Urbanisierung implizierte auch eine radikale Transformation einzelner Städte. So wuchs beispielsweise die Einwohnerzahl von Peking zwischen 1990 und heute von etwa sechs Millionen auf mehr als 20 Millionen Einwohner an. Hierbei handelt es sich lediglich um offiziell registrierte Einwohner; hinzu kommen noch zehn bis 15 Millionen Zugezogene, zum großen Teil Wanderarbeiter, sodass die wahre Zahl deutlich jenseits der 30-Millionen-Grenze liegt. Ähnliches gilt auch für Städte wie Shanghai oder Tianjin, und allgemein wandeln sich auch viele der sogenannten tier 3- bis tier 5-Städte in geradezu atemberaubendem Tempo.

Die Urbanisierung Chinas stellt nicht nur indirekt, über die hiermit verbundenen neuen Probleme im Umwelt- und Gesellschaftssektor, eine Herausforderung für den chinesischen Regierungssektor dar. Sie rührt auch direkt an das Wesen der Partei und ihrer gesamtgesellschaftlichen Verankerung. Nach einer Anfangsphase im urbanen intellektuellen Milieu hat sich die Kommunistische Partei Chinas in ihrer Geschichte, unter anderem durch den antijapanischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg, eng mit der Landbevölkerung verwoben. Diese enge Bindung an die chinesische Agrargesellschaft verlieh ihr ein hohes Maß an Stabilität, das sie auch die Krisen der Mao-Zeit und die großen Umschwünge nach ihrem Ende überdauern ließ. Eine vornehmlich urbane Gesellschaft, welche zudem zum großen Teil aus neuen Migrationswellen hervorgegangen ist, ist nicht im gleichen Maße an die Partei gebunden wie die Bauernschaft des 20. Jahrhunderts.

Auf all diese Problemfelder muss die chinesische Führung reagieren, und sie hat hiermit auch schon begonnen. Verschiedene politische Initiativen lassen sich als Schritte in Richtung einer Reduktion der wachsenden Spannungen und Legitimitätsprobleme verstehen. Neben der Antikorruptionskampagne (die wie betont auch in innerparteilichen Zusammenhängen steht) hat die chinesische Führung doch nun recht entschiedene Maßnahmen in Richtung Umweltschutz eingeleitet, und auch der sozialen Umverteilung hat man sich zugewandt. Es erscheint dabei als durchaus wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung angesichts der sich aufstauenden Probleme ihren experimentellen Charakter beibehalten wird und eventuell wieder stärker mit neuen Formen von Politik und Wirtschaft experimentieren könnte. Schon alleine die Umweltprobleme machen ein einfaches »Weiter so« auf dem Weg der vergangenen 30 Jahre kaum möglich.

Die chinesische Regierung wird angesichts der sich aufstauenden Probleme ihren experimentellen Charakter beibehalten und könnte eventuell wieder stärker mit neuen Formen von Politik und Wirtschaft experimentieren.

Allerdings wird sich die politische Legitimität mittelfristig nicht ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum weiter festigen lassen. Und hier ziehen dunklere Wolken über der sonnenverwöhnten wirtschaftlichen Großwetterlage in China auf. Obwohl in einigen, insbesondere für die deutsche Industrie wichtigen Sparten der Privatkonsum weiter boomt, sprechen viele Indizien für eine Abkühlung der Wirtschaft. Auch ist der Anteil staatlicher Wachstumsspritzen am Bruttoinlandsprodukt, wie zum Beispiel Ausgaben für Infrastrukturprojekte, stark gestiegen. Lange werden sich öffentliche Gelder nicht mehr in diesem Ausmaß zur Konsolidierung der Wirtschaft einsetzen lassen. Denn die öffentlichen Hände Chinas sind – von den Kommunen über die Provinzregierungen bis hin zur Zentrale in Peking – hoch verschuldet.  Rechnet man die defizitären Staatsunternehmen in diese rote Liste mit hinein, so verstärkt sich sogar noch der Eindruck fiskalischer Gewichte, welche die chinesische Volkswirtschaft potenziell nach unten ziehen könnten. Diese werden auch mitnichten durch Chinas riesige Devisenreserven im In- und Ausland aufgewogen.

In vielen wichtigen Sparten erscheint der Aufstieg Chinas in die Sphären der Spitzentech­nologie noch als steiler Weg in die Zukunft.

Wenn sich nun auch die stark gestiegenen Preise für Wohneigentum in den Städten als Immobilienblase erweisen, droht der Stabilität der chinesischen Wirtschaft weitere Gefahr. Allerdings streiten sich die Experten darüber, inwieweit in dem sehr spezifischen chinesischen Finanzwesen mit dem Renminbi als nicht frei konvertibler Währung eine Finanzkrise ähnlich zerstörerische Wellen aufwerfen würde, wie wir sie aus der Geschichte des Westens und vieler anderer Länder kennen. Dennoch wird der chinesische Staat in Zukunft wohl nicht mehr über die gleichen Finanzmittel wie in der Vergangenheit verfügen. Auch der fiskalische Zauberstab, der durch Umwandlung von staatseigenem Land in privates Bauland beträchtliche Gewinne für den Staat schaffen konnte, wird wohl an Wirkkraft einbüßen.

Chinas Bereitschaft zu einem Systemwechsel ist wenig ausgeprägt

Dennoch ist für China bis 2030 eine tiefe politische Krise beziehungsweise ein grundlegender Systemwechsel recht unwahrscheinlich, und zwar aus unterschiedlichen Gründen. Erstens ist eine mögliche, entsprechend breit organisierte Gegenkraft, etwa in zivilgesellschaftlichen Netzwerken oder Religionen, kaum zu erkennen. Zweitens erleben sich trotz aller Widrigkeiten des Alltagslebens breite Schichten der chinesischen Bevölkerung als Gewinner der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Drittens sind die qualvollen Brüche in der modernen chinesischen Geschichte zwischen den Opiumkriegen und dem Ende der Kulturrevolution doch stark im historischen Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Insbesondere in den bildungsnahen Schichten dürfte die Bereitschaft zu einem Systemwechsel wenig ausgeprägt bleiben, selbst im Falle ernsthafter Wirtschaftskrisen.

All dies bedeutet nicht, dass politische Handlungsräume in der kommenden Dekade nicht umkämpft sein werden. Zwischen der Regierung und verschiedenen Gesellschaftsgruppen, und auch innerhalb der Partei, wird man um viele Themenkreise ringen: Hierzu gehört das Verhältnis zwischen Meinungsfreiheit und Zensur, Korruption und Rechenschaftspflicht oder auch zwischen wirtschaftlichem Liberalismus und sozialer Umverteilung. Auch nationale und internationale Unternehmen werden – im Verbund mit ihren Regierungen – wichtige Faktoren in diesem Ringen bleiben. Wie in Fragen der Unabhängigkeit der chinesischen Justiz kann es hier um Themen gehen, welche ausländische Investoren unmittelbar betreffen, aber auch von breiterer politischer Relevanz sind.

Obwohl das chinesische Gesamtwirtschaftsvolumen bereits US-amerikanische Größenordnungen erreicht, bleibt China hinter anderen Facetten internationaler Macht deutlich zurück – zumindest bis 2030.

Bis 2030 können wir weitere Wandlungen des auch in der Vergangenheit gar nicht so starren chinesischen Systems erwarten, doch keine revolutionären Änderungen. Die Annäherung an eine den liberalen Demokratien nahestehende Grundordnung ist mittelfristig ein kaum wahrscheinliches Szenario. Die politische und ökonomische Gestalt Chinas wird sich wohl weiterhin im Rahmen der sehr eigenen Formen politischer und ökonomischer Ordnung bewegen, die sich in vielen Jahrzehnten von Revolution und Reform gebildet haben – und in denen nach Meinung nicht weniger Historiker auch Tonlagen aus der chinesischen Vergangenheit anklingen. Mit diesem sehr eigenen System wird sich Deutschland bis 2030 tief greifend auseinandersetzen müssen. Schließlich gewinnt es weltweit an Einfluss.

Chinas globaler Rang

Wie können und sollen wir die globale Stellung Chinas in der Zukunft denken? Langfristige Trends lassen sich leichter prognostizieren als kurzfristige Umwälzungen. Wenn wir uns auch China nicht unbedingt bis 2030 als »Supermacht« vorstellen müssen, deutet wenig darauf hin, dass die neu entstandene Bedeutung des chinesischen Wirtschaftsraums während des 21. Jahrhunderts wieder schwinden wird. Auch massive Krisen halten gewöhnlich große Verschiebungen innerhalb der Weltwirtschaft nicht auf. So hatten beispielsweise die beiden Weltkriege keinen nennenswerten Einfluss auf den Anteil Europas und Nordamerikas an der gesamten Weltwirtschaft. Erst seit den 70er-Jahren haben sich nennenswerte Verschiebungen in Richtung einer ökonomisch multipolaren Welt ergeben.

Allerdings ist es möglich, dass der chinesische Wirtschaftsraum mittelfristig nicht mehr mit deutlich steileren Wachstumsraten als der Westen expandiert, sondern auf einem in der Masse doch noch vergleichsweise hohen Niveau stagnieren wird. Generell besteht die Gefahr, dass die chinesische Wirtschaft in eine ähnliche »Falle der mittleren Einkommen« (»middle income trap«) tritt wie zuvor etwa die brasilianische oder auch die südafrikanische. Als Teil des wirtschaftlichen Erfolgs sind auch im untersten chinesischen Sektor die Löhne mittlerweile so stark gestiegen, dass die Textilmanufaktur und andere Billigindustrien bereits in billigere Produktionsstandorte wie Bangladesch oder Kenia abwandern. Gleichzeitig erscheint in vielen wichtigen Sparten der Aufstieg Chinas in die Sphären der Spitzentechnologie noch als steiler Weg in die Zukunft. Ähnlich komplex dürfte das Ziel werden, einer breiten Palette chinesischer Marken eine ähnliche globale Reputation zu verleihen, wie sie heute Firmen wie Apple, Siemens oder Toyota genießen.

Die Suche nach Innovationsmacht

Nicht nur die weltweite Stellung Chinas, sondern vor allem auch seine innere Stabilität wird davon abhängen, ob es der Volksrepublik gelingen wird, zu einer Innovationsmacht zumindest in einigen wichtigen Industriesparten zu werden. In manchen Teilen soll chinesisches Hightech das Land gleich aus mehreren Problemzonen auf einmal herausführen. Die Förderung neuer Energiequellen, etwa in Bereichen wie Windkraft oder Elektromobilität, soll China einen Vorsprung in Technologien erarbeiten, in denen alle Wirtschaftsräume weltweit Neuland betreten müssen. Gleichzeitig sind genau diese Technologien der Schlüssel dazu, wichtige Umwelt- und Gesundheitsprobleme in den Griff zu bekommen. Ähnliches gilt auch für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte, die unabdingbar sind für eine nachhaltig geführte weitere Urbanisierungswelle in der Volksrepublik.

Großstrategie »Made in China 2025«

Man denke in diesem Zusammenhang zum Beispiel an die Großstrategie »Made in China 2025«, welche zum Ziel hat, chinesische Standorte in Schlüsseltechnologien wie etwa der Robotik, der Automobil- und Luftfahrtindustrie oder auch im Bereich der neuen Energien zur Weltspitze aufschließen zu lassen. Digital vernetzte und überwiegend selbst organisierte Produktionssysteme sollen hierbei eine große Rolle spielen. Zu »Made in China 2025« gehören verschiedene Maßnahmen, wie etwa die Veränderungen von regulativen Rahmenbedingungen des chinesischen Marktes zugunsten heimischer Anbieter oder die massive finanzielle Unterstützung relevanter chinesischer Staats- oder Privatunternehmen, um sie technologisch kompetitiver zu machen. Auch die Förderung der gezielten Übernahme wichtiger ausländischer Unternehmen reiht sich in diese Kategorie ein.

Nicht zuletzt in Deutschland mit seiner Vorreiterstellung in vielen betroffenen Industriesparten wird diese Entwicklung oftmals mit Sorge betrachtet. Wie lassen sich die chinesischen Maßnahmen zum Aufbau international kompetitiver Spitzentechnologiefelder einordnen? Zumindest in zweierlei Hinsicht ist das chinesische Vorgehen kaum ungewöhnlich. Erstens gehört die staatliche Förderung heimischer Schlüsselindustrien schon seit dem 19. Jahrhundert zu den Grundprinzipien des globalen Kapitalismus, und dies ist auch – trotz aller gegenteiligen Bekundungen – im jüngeren Zeitalter des Neoliberalismus der Fall gewesen. Zweitens fügen sich chinesische Firmenübernahmen in ein altbekanntes Muster transnationaler Verflechtungen und der stetig wachsenden Rolle multinationaler Konzerne. Auch im vergangenen Jahr blieb das Volumen der Übernahmen deutscher Firmen deutlich hinter entsprechenden Investitionen aus den USA oder anderen Ländern zurück.

Von der wachsenden Zahl deutscher Manager, die nach China entsandt werden, verfügt allenfalls ein verschwindend kleiner Teil auch nur über Basiswissen zur chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – von Sprachkenntnissen ganz abgesehen.

Doch ist dies nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite bleibt der chinesische Markt in vielerlei Hinsicht wesentlich weniger zugänglich als seine Äquivalente in der alten Welt der G7 und vieler weiterer Volkswirtschaften. Auch die wenig transparenten Vernetzungen von Partei, Staat und Justiz tauchen die Handlungsoptionen vieler internationaler Firmen ins Ungewisse. Dennoch sollten chinesische Bemühungen wie »Made in China 2025« unter internationalen Beobachtern nicht alleine einen kruden Alarmismus wecken. Denn zumindest in naher Zukunft bedeuten die chinesischen Investitionen in Schlüsseltechnologien lukrative Möglichkeiten für deutsche und andere Anbieter. Zweitens muss der Aufstieg Chinas in einzelne Sphären der Spitzentechnologie auch mittelfristig kein Nullsummenspiel bedeuten, sondern kann weiterhin immer neue – wenn auch andere – Möglichkeiten für den Standort Deutschland eröffnen.

Drittens sollten wir für den Zeitraum bis 2030 internationale Einflussmöglichkeiten der Wirtschaftsmacht China nicht überschätzen. Sicherlich, das Land hat heute so viel internationale Gestaltungsfähigkeit wie noch nie in seiner modernen Geschichte. Dennoch ist der Aufstieg Chinas gerade durch eine Verflechtung mit anderen Teilen der Welt gekennzeichnet. Dies wiederum impliziert ein Muster komplexer wechselseitiger Abhängigkeiten, welches einer rein nationalen Interessenpolitik, einem radikalen Unilateralismus entgegensteht. Es zeichnet sich bereits ab, dass internationale Regierungen entschiedener die Interessen ausländischer Firmen in China vertreten, und zwar deutlich über die bisher bestehenden internationalen Handelsabkommen hinaus. Mittelfristig dürften sich konzertierte Aktionen unter den wichtigen Industriemächten der Welt in der chinabezogenen Handelspolitik verstärken. All dies wird die internationale Stellung Chinas im Handel weiter aufwerten und dabei zugleich Regeln und Mechanismen schaffen, die für viele Seiten akzeptabel bleiben.

Weltmacht China? Der Vergleich mit den USA

Auch wenn das chinesische Gesamtwirtschaftsvolumen bereits US-amerikanische Größenordnungen erreicht, bleibt China hinter anderen Facetten internationaler Macht deutlich zurück – zumindest bis 2030 wird es sich in vielen entscheidenden Gesichtspunkten noch nicht an den großen Weltmächten der vergangenen 100 Jahre messen lassen. Beispielsweise investiert man beträchtliche Summen in den Aufbau des chinesischen Militärsektors, doch es wird noch eine geraume Zeit dauern, bis hieraus eine über weite geografische Räume hinweg reichende interventionsfähige Streitkraft erwachsen wird. Auch die finanzpolitische Stellung Chinas hat sicherlich international an Einfluss gewonnen – sie wird sich dennoch zumindest in der kommenden Dekade noch nicht wahrhaft mit den starken Armen des Dollar, des Euro und den etablierten Kräften der Finanzindustrie messen können.

In China kann man kaum ein Studium abschließen, ohne zumindest in Grundsätzen mit dem Westen vertraut zu sein und jahrelang Englisch und vielleicht auch eine weitere westliche Sprache gelernt zu haben.

Auch aus anderen Gründen wird bis zum Jahre 2030 eine auf China zentrierte internationale Ordnung kaum im Bereich der Möglichkeiten sein. So verfügt China über kein historisch fundiertes Netz von Bündnispartnern wie etwa die Vereinigten Staaten bei ihrem Aufstieg zu einer globalen Macht während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und um beim Vergleich mit den USA während des 20. Jahrhunderts zu bleiben: China bleibt für wesentliche Teile der Eliten rund um den Globus eine wesentlich unbekanntere Welt als die Neue Welt in Nordamerika. Dies liegt jedoch weniger am globalen Einfluss der amerikanischen Popkultur und auch nicht an der vermeintlichen Verschlossenheit der chinesischen Zivilisation, wie dies manche Stimmen der Debatte über die soft power Chinas gerne suggerieren. Auch der Kontrast der amerikanischen Immigrationsgesellschaft zur chinesischen Emigrationsgesellschaft dürfte nur einen Teil des unterschiedlichen Bekanntheitsgrades beider Mächte erklären.

Eine sehr wichtige Rolle spielten ganz andere historische Kontexte: Die Weltmacht Amerika löste das British Empire ab, ging aber auch in vielerlei Hinsicht aus diesem hervor. Als Amerika nach den beiden Weltkriegen unbestritten Supermacht wurde, war die englische Sprache schon in weiten Teilen der Welt als Lingua franca etabliert. Auch die Grundzüge der politischen und wirtschaftlichen Ordnung sowie tragender Prinzipien der Alltagskultur unterschieden sich nicht grundlegend in den englischsprachigen Mächten auf beiden Seiten des Atlantiks. Auf diesem Erbe konnte viel der amerikanischen soft power aufbauen.

China in den Bildungswelten

China ist nicht in derselben Lage: Da die Bildungssysteme weltweit noch auf den Westen zentriert sind, ist selbst in solch wichtigen Nachbarländern wie beispielsweise Indien eine enge Vertrautheit mit China weiterhin eine große Ausnahme. Wenn sie ins Ausland gehen, studieren die zukünftigen Eliten der meisten Staaten der Erde weiterhin gern an westlichen Universitäten – persönliche, sprich biografische Bindungen an China sind noch eher selten. Auch in dieser Hinsicht beginnt sich die Welt zu wandeln, doch geschieht dies wesentlich langsamer als die Änderungen der weltwirtschaftlichen Gesamtverteilung.

Auch im deutschen schulischen und universitären Bildungsalltag ist China zwar nicht mehr zu demselben Grade eine solch exotische Ausnahme, wie dies noch vor einer Generation der Fall war. Dennoch verfügt weiterhin nur ein Bruchteil der Universitätsabsolventen über belastbares Wissen zu China, von Sprachkenntnissen ganz zu schweigen. Noch weiter zugespitzt ist die Lage unter den heutigen Entscheidern: Beispielsweise zeigte sich bislang keine größere politische oder öffentliche Debatte ernsthaft darum bemüht, die komplexen, facettenreichen und zugleich auch widerspruchsvollen chinesischen Landschaften der Gegenwart näher zu betrachten. Man urteilt und beurteilt lieber aus der Ferne.

Auch im direkten Umgang mit China tritt dieses Muster deutlich hervor: Von der wachsenden Zahl deutscher Manager, die nach China entsandt werden, verfügt allenfalls ein verschwindend kleiner Teil auch nur über Basiswissen zur chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – von Sprachkenntnissen ganz abgesehen. Dies bedeutet, massive Auslandsinvestitionen müssen hauptsächlich von einem Personal getragen werden, das zwar fachlich hervorragend ausgebildet ist, aber gesellschaftlich und kulturell im Dunkeln stochert. Ähnlich geht es auch vielen Universitäten, welche mittlerweile Nutzen und Zugzwänge der Globalisierung für sich entdeckt haben und gern mit chinesischen Einrichtungen kooperieren. Da es deutschen Unternehmen und Universitäten an Brückenbauern mangelt, müssen oftmals ihre chinesischen Partner diese Funktion alleine übernehmen – mit allen Nachteilen, die eine solche Verteilung insbesondere für die deutsche Seite mit sich bringt. Denn dort, im ehemaligen »Reich der Mitte«, kann man kaum ein Studium abschließen, ohne zumindest in Grundsätzen mit dem Westen vertraut zu sein und jahrelang Englisch und vielleicht auch eine weitere westliche Sprache gelernt zu haben. Noch herrschen hierzulande Wissenshorizonte aus einem Zeitalter vor, in dem China nur eine marginale Rolle in der Welt spielte.

Neue Beziehungsmuster

Zwar wird China bis 2030 keine dominierende Weltmacht sein, und vielleicht steuern wir ohnehin auf eine Ära zu, die weniger von »Supermächten« geprägt sein wird als weite Epochen der Nachkriegszeit. Dennoch werden die globalen Handlungsmöglichkeiten Chinas weiter wachsen. Es lässt sich beispielsweise angesichts des steigenden Innovationspotenzials der chinesischen Wirtschaft deutlich absehen, dass die Zeiten, in denen deutsche Firmen in gewisser Hinsicht auch als Entwicklungshelfer in China agierten, vorbei sind. Man wird sich in der kommenden Dekade auf Augenhöhe begegnen – und dies impliziert auch, dass deutsche Führungskräfte China in seinen eigenen Dynamiken besser verstehen müssen. Genau hierauf ist man noch nicht hinreichend vorbereitet.

China

Wie wir handeln müssen

Lange waren die deutsch-chinesischen Beziehungen in einen Rahmen westlicher Suprematie eingebettet. Doch das Verhältnis zu China hat sich grundlegend gewandelt: In verschiedenen Bereichen – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft – begegnen chinesische Führungskräfte ihren deutschen Kollegen mittlerweile zumindest auf Augenhöhe. Diese Tendenzen werden sich bis 2030 fortsetzen, doch gerade hierauf ist man hierzulande weder strukturell noch mental vorbereitet.

  • In Zukunft muss eine hinreichende Zahl von Führungskräften in allen relevanten Sektoren ebenso eng mit China vertraut sein wie beispielsweise mit den USA. Das deutsche Bildungswesen muss entschiedener als bisher auf den Bedeutungsgewinn Chinas reagieren. Bislang herrschen hierzulande Wissenshorizonte aus einem Zeitalter vor, in dem China nur eine marginale Rolle in der Welt spielte.
  • Eine intensivere Auseinandersetzung mit verschiedenen Facetten der chinesischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ist dringend vonnöten. Nur auf der Basis breiter und intensiver Debatten können sich weiterführende, auch kritische Formen des Umgangs entwickeln. Diese müssen sowohl in der allgemeinen Öffentlichkeit als auch in fachspezifischen Foren geführt werden.
  • Ein stärkeres europäisches Zusammenspiel im Umgang mit China bleibt ein wichtiges Ziel. In vielen Sparten von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sind die Beziehungen zu China heute noch zu stark nationalstaatlich fragmentiert.

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt (55) ist einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen und Politikberater. Als Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung widmet er sich unter anderem Fragen des Arbeitsmarkts und der europäischen Integration sowie den Zukunftsthemen Digitalisierung und Globalisierung. Der Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Akademienprojekts »Energiesysteme der Zukunft« (ESYS) und Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).